wir hier / here we are

war ein Kunstprojekt, das in das Sozialgefüge eines Münchner Stadtteils eingriff und städtische Gesellschaft, Globalisierung und Migration auf einem großen, ziemlich vermurksten Platz zusammenbrachte.

Plakat Kunstprojekt "wir hier/here we are"

 

Foto Publikation "wir hier/here we are"Das Buch zum Kunstprojekt „wir hier / here we are“ kann per E-Mail bestellt werden
und ist im Buchhandel erhältlich.
Preis: 15 Euro, Softcover, 94 Seiten, 21 x 27 cm, ISBN 978-3-00-046833-9

Auszug aus dem Projektbuch als pdf (5 MB)

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Internationale Welten – global / local

Die Messestadt-Riem – in kurzer Zeit entstandene, ambitioniert entwickelte „Planstadt“ mit 16.000 Einwohnern, darunter – neben den zugezogenen Deutschen – einem signifikanten Anteil von Migranten aus über 100 Nationen. Der neue Stadtteil im Münchner Osten, in dem keine Gruppe oder Ethnie sonderlich überwiegt, könnte ein Modell für Vielfalt und Integration und eine zukünftige Antwort auf die Frage sein, wie sich Migration gestalten lässt. Gleich gegenüber der Wohnbebauung hat die Messe München ihren Sitz, ein bedeutender internationaler Messestandort mit viel Publikum ebenfalls aus aller Welt.

Die einen, oft weniger wohlhabend und nicht selten misstrauisch beäugt oder gleich an den EU-Grenzen mit großem Aufwand draußen gehalten, und die anderen, als Geschäftspartner willkommen und umworben, existieren hier weitgehend autistisch nebeneinander, berühren sich – wenn überhaupt – peripher an den Bahnsteigen der U-Bahn-Stationen der Messestadt. Die weltweiten Handels- und Warenströme und die aktuellen Wanderungsbewegungen der Menschen – beides Formen von Globalisierung – hängen dabei enger miteinander zusammen, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

 

Komibibild

 

 

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Der Entwurf sah eine weit über die kreisrunde, helle Betonfläche verteilte Installation aus 300 Gurtpfosten vor. Diese mit ausziehbaren Bändern verbundenen Pylonen werden z. B. auf Flughäfen und Bahnhöfen verwendet. Sie sind als chaotisches Labyrinth angeordnet, das auf den ersten Blick keinen Zweck zu verfolgen scheint. Allerdings zeichnet die willkürlich anmutende Zusammenstellung von Pfosten und Bändern die Routen von Personen auf dem Weg hierher nach. Auf den roten Gurtbändern sind Text-Beiträge aufgebracht. Zusammen mit der hellen Kreisfläche – die hier graphisch als Erdkugel fungiert – entsteht so eine globale Bewegungs-Landkarte. Mittels großer Scheinwerfer wird die Fläche am Abend und in der Nacht in blaues Licht getaucht, die roten Textbänder leuchten auf. Auf dem Platz zeichnet sich eine vielfältige und zugleich persönliche Komposition aus Herkunft und Gegenwart ab. In diese Welt kann man als Betrachter hineingehen und die jeweiligen Wege verfolgen und nachvollziehen.

 

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Ausgewählte Seiten aus dem Projektbuch

 

„Ungleichheit der Menschen spiegelt sich in den verschiedenen Lebensstilen, in verschiedenartigen Verhaltensweisen und in unterschiedlichen Arten der Selbstpräsentation. Arbeitende und flanierende Menschen, schnelle und langsame Bewegung, Arme und Reiche, in sich Gekehrte und Agitierende, Käufer und Verkäufer. Bunter wird es, wenn verschiedene ethnische Gruppen das Straßenbild prägen, wenn das noch nie Gesehene unverhofft präsent ist. Die Situation ist sozial unbestimmt und offen, und das schafft einen sozial öffentlichen Raum. Dort findet ein Theater statt, dem man verwundert zuschauen kann.“ H. Häußermann

2014 kommt es zu einem starken Anstieg der Flüchtlingsströme. Die Stadt beschließt den Bau weiterer Unterkünfte, darunter auch mehrere neue Standorte im Münchner Osten. Einer davon soll auf dem weitläufigen BAUMA-Freigelände hinter den Hallen der Münchner Messe geschaffen werden.

„Man hat das Gefühl, dass es außerhalb Europas an allen Ecken und Enden der Welt brennt. Aber uns hier geht‘s ja noch gut und wir machen halt so weiter wie bisher. Dabei ist diese Situation total unbefriedigend.“ Mitarbeiterin eines großen Unternehmens in der Messestadt-Riem

Nachtrag zur Gegenwart

Plakat Messestadt A1 / büroriem 2015

Plakat Messestadt A1 / büroriem 2015

September 2015: Deutschland öffnet seine Grenzen für Tausende Flüchtlinge, die in Ungarn gestrandet und dort unter schlechten und teils menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten werden. München wird allein am ersten Wochenende zum Hotspot für 20.000 Flüchtlinge. Auf der Münchner Messe werden drei Hallen zur Erstaufnahme zur Verfügung gestellt. Die Ankommenden werden von der Bevölkerung sehr freundlich begrüßt, Tausende Münchner unterstützen als Helfer die Behörden.

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Das Projekt wurde freundlich gefördert und unterstützt von

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