Tücken

Positive Berichterstattung 

In Zusammenhang mit der Berichterstattung über das Projekt gab es allerdings auch Kontroversen, weil ich (mit Erlaubnis des Kommunalreferats) eine Gestaltung an den Fenstern vorgenommen hatte, das Referat aber nicht mit dem Inhalt einverstanden war. 

Ich hatte zusammen mit einer Installation aus Absperrbändern den Artikel aus der Süddeutschen Zeitung angebracht, in dem über die Geschichte und Misere des Hauses berichtet wurde. Von vielen auch mit den Vorgängen um das Haus Vertrauten – auch aus städtischen Stellen und der Politik – wurde der Artikel als durchaus ausgewogen, zutreffend und informativ verstanden. Allerdings nicht vom Kommunalreferat, das deutlich machte, dass man sich eine positive Berichterstattung erwarte, und das die Gestaltung samt Artikel von einem Mitarbeiter vor Ort entfernen ließ. In der Folge wurde mir dann mitgeteilt, dass alles, was künftig an den Scheiben angebracht werde, vorher zur Erlaubnis vorgelegt werden müsse.

Hier der Antwortbrief an das Referat:

Sehr geehrte …,

ich darf Bezug nehmen auf Ihren Anruf heute am 1. April 2019.

Sie hatten Anstoß an der Gestaltung der Absperrbänder genommen und den angebrachten Artikel aus der SZ entfernen lassen. Sie hatten mir gegenüber erwähnt, dass Sie sich im Rahmen einer Gestaltung als Kunstschaufenster eine positive Berichterstattung wünschen. Ich hatte Ihnen darauf geantwortet, dass der Artikel die aktuelle Situation so objektiv und umfassend wie möglich beschreibt, hier alle Beteiligten zu Wort kommen und sich auch die Bewohner ein Bild von der Situation machen können. 

Ich füge Ihnen den Link zum SZ Artikel hier gerne an, so dass Sie ihn im Original lesen können. (Darin kommt auch die Pressesprecherin des Kommunalreferats zu Wort).

Zum besseren Verständnis der angebrachten Absperrbänder wäre zu sagen, dass diese als Gestaltungselemente einer laufenden Situation zu sehen sind. Vielleicht doppeldeutig etwas ironisch, aber auch wie im SZ-Artikel beschrieben, durchaus heiter gemeint.

Sie hatten für das weitere Vorgehen vorgeschlagen, Ihnen im Zuge Ihrer gewünschten positiven Berichterstattung beabsichtigte Gestaltungen vorlegen und absegnen zu lassen. (An dieser Stelle möchte ich daran erinnern, dass die erteilte Erlaubnis zur Gestaltung nicht an inhaltliche Vorgaben gebunden war.)

Im zeitgemäßen Verständnis hat moderne Kunst nicht unbedingt die Aufgabe als Werbeagentur zu dienen. Auch eine kritische Auseinandersetzung ist nicht ungewöhnlich, zumal ja hier tatsächlich seit längerem ein Missstand vorliegt. Insofern macht die jeweilige Vorlage zur Erlaubnis etwas den Eindruck einer künstlerischen Zensur.

Ich bin mir sicher, dass – wenn das Haus renoviert und nach 20 Jahren tatsächlich einmal für die Bewohnerschaft verfügbar gemacht wird – die gewünschte positive Berichterstattung nicht lange auf sich warten lassen wird.

Mit freundlichem Gruß

Michael Lapper